Nachhaltige Zahnmedizin

Grün ist Trumpf

Diwipraxis ist eine der nachhaltigsten Praxen Deutschlands.

Die Zahnärzte- Zeitung ZM berichtet aktuell über die Diwi Nachhaltigkeit. Ab hier zum Original Text

ZM Ausgabe 08 / 2021

Am 18. Dezember stellte der Weltzahnärzteverband FDI in einer Erklärung zu seinen Leitlinien für eine nachhaltige Zahnmedizin klar: „Eine optimale Zahnmedizin hat zwei Ziele: eine gute Mundgesundheit und eine geringere Umweltbelastung.“ Ziel eins haben die Zahnärzte im Kasten, aber wie erreichen sie Ziel zwei?

Eine neue von Public Health England in Auftrag gegebene britische Studie hat den Fußabdruck zahnärztlicher Leistungen berechnet: Danach machen die Anfahrtswege knapp zwei Drittel der CO2-Emissionen in der Zahnmedizin (64,5 Prozent) aus. Wie Patienten und Mitarbeiter zur Praxis gelangen, spielt also überraschenderweise eine große, wenn nicht die größte Rolle. 

Daher sollten Sie herausfinden, wie sich Ihr Team und Ihre Patienten fortbewegen, dann können Sie es ihnen leichter machen, zu Fuß zu gehen oder aufs Rad umzusteigen. Anreize schaffen Schließfächer und sichere Fahrradstellplätze. Toll, aber teuer sind Duschen und Umkleideräume. Gibt es vielleicht eine Ladestation für Elektroautos in der Nähe? Informieren Sie Ihre Patienten darüber. Telemedizin und elektronische Überweisungen sind natürlich auch Maßnahmen, um Fahrten zu reduzieren. Versuchen Sie zudem, Termine zusammenzulegen.

Plastikmüll – auch in der Praxis ein Riesenproblem

Insgesamt 79 Prozent des in den vergangenen 70 Jahren produzierten Plastiks wurde auf Mülldeponien oder illegal entsorgt, nur 9 Prozent werden recycelt, der Rest wird verbrannt. 8 Millionen Tonnen Plastik gelangen jedes Jahr in unsere Ozeane. Plastik ist nicht natürlich biologisch abbaubar, es zerfällt bekanntlich in kleinere Mikroplastikteile. Auch Zahnarztpraxen produzieren große Mengen an Plastikmüll – täglich landen zahllose Becher, Einwegspritzen, Handschuhe, Einweginstrumente und Mundhygieneprodukte im Abfall. Doch Plastikprodukte sind kein Muss: Viele Artikel gibt es aus anderem Material oder recycelbar. Hinzu kommt: Wenn Sie den Verbrauch verringern, gehen die Praxiskosten spürbar nach unten.

„Die Zahnmedizin als Berufsstand sollte die Ziele der nachhaltigen Entwicklung in die tägliche Praxis integrieren und einen Wandel hin zu einer grünen Wirtschaft unterstützen, um ein gesundes Leben und Wohlbefinden für alle Menschen in allen Lebensphasen zu erreichen.“

Weltzahnärzteverband FDI

Aber was können Sie genau tun? Nun, es gibt Abdrucklöffel, Prophylaxe Becher und Sauger spitzen aus Edelstahl. Nutzen Sie umweltfreundliche Reinigungsprodukte. Verwenden und empfehlen Sie nachhaltige Mundhygieneprodukte wie Zahnbürsten aus Bambus. Achten Sie auf umweltfreundliche Verpackungen. Kaufen Sie nicht kleinteilig verpackte Materialien, sondern setzen Sie auf große Einheiten. Ein regelmäßiger Blick ins Lager sorgt auch hier für grüne Ordnung. Veraltete Chemikalien und Dentalprodukte werden so oft auf Mülldeponien entsorgt oder müssen von Spezialisten abgeholt werden. Ein turnusmäßiger Bestands-Check stellt sicher, dass Produkte nicht ablaufen und somit weniger verschwendet wird. 

Eine unzureichende Mülltrennung kann dazu führen, dass nicht-klinische Abfälle im klinischen Strom entsorgt werden, was die Kosten für die Entsorgung erhöht und die Umwelt durch die Verbrennung potenziell schädigt. Erstellen Sie deshalb für das Personal einen einfachen Leitfaden zur Mülltrennung. Beschriften Sie die Behälter sichtbar. Trennen Sie die sterilen Verpackungen für das Recycling in Plastik und Papier. Geben Sie alle Abfälle, die nicht mit Blut oder Speichel kontaminiert sind, in die Haushalts- oder Recycling-Eimer, wann immer dies möglich ist. 

Recycelt werden können üblicherweise Aluminiumdosen, Pappe, Papier, Plastik, Glas sowie kompostierbare Lebensmittelabfälle. Überprüfen Sie den Abfall regelmäßig. Verfassen Sie eine Richtlinie zum Reduzieren, Wiederverwenden und Recyceln, einschließlich einer Anleitung zur Wartung von Geräten. Ermutigen Sie auch Ihre Lieferanten, nachhaltiger zu werden. Schauen Sie, ob der Hersteller die Lieferung des Produkts bis zum ursprünglichen Hersteller zurückverfolgen kann. Können wir bei den in der Fabrik eingesetzten Arbeitskräften sicher sein, dass die dortigen Standards human und ethisch sind? Hat sich das Unternehmen verpflichtet, alle chemischen Inhaltsstoffe kenntlich zu machen? Sind verwendete Materialien als umweltschädlich eingestuft?

24 Bäume fallen für 1.000 KG Papier 

Wussten Sie, dass für eine Tonne Papier 24 Bäume gefällt werden müssen und dass für die Herstellung mehr als 350 Liter Wasser für Verarbeitung und Transport anfallen? Papier hat einen unerwartet hohen CO2-Fußabdruck und ist für mehr als 7 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Papierfrei zu werden (oder zumindest papierarm) hat also einen wirklich positiven Effekt auf die Umwelt. 

3.000 Plastikbecher eingespart!

Dr. Stefan Dietsche und Dr. Reiner Wichary, Gemeinschaftspraxis, Köln

„Im Zuge unseres Praxiskonzepts zur Umweltzahnmedizin beschäftigen wir uns schon länger mit dem Thema und binden dabei vor allem unsere Mitarbeiter mit ein. Durch den Einsatz von Spülbechern aus Mais-Zellulose haben wir in den vergangenen Jahren bereits rund 3.000 Plastikbecher einsparen können. Weiter kommen bei uns Papierklebeband, Müllbeutel aus abbaubarer Zellulose und ausschließlich Glas- anstatt Plastiktrinkflaschen zum Einsatz. Trinkwasser zapfen wir aus dem Hahn mit eingebauter Wasserfilteranlage. Und ja: Es gibt hier Bambus-Zahnbürsten.

 privat

Die Praxis haben wir in Zusammenarbeit mit Baubiologen entwickelt. Der Boden ist aus Naturmaterialien wie Holz und Linoleum. Außerdem ist die Praxis gegen die elektromagnetischen Felder des gegenüberliegenden Handymasts abgeschirmt. Auf WLAN verzichten wir übrigens auch aus diesem Grund. Hochwertige Raumluftfilter sorgen für Feinstaub-gefilterte Luft. Es kommt nur formaldehydfreies Desinfektionsmittel zur Anwendung. Mit einer Strom-Optimierung und der Umstellung auf Strom aus erneuerbaren Energien konnten wir in den vergangenen zwei Jahren 23 Prozent an Verbrauch und Kosten einsparen.



Letztes Jahr haben wir uns mit der Praxis für den 13. Deutschen Nachhaltigkeitspreis beworben!“



Dr. Stefan Dietsche ist Mitglied des Vorstands der Europäischen Akademie für Klinische Umweltmedizin (EUROPAEM) und hat 2017 den Schadstoff-Ratgeber „Das Gift steckt im Detail“ veröffentlicht. diwipraxis.de

Statt alles auf Papier festzuhalten, können Sie scannen, telefonieren, E-Mails schreiben oder alternativ Textnachrichten verfassen. Letztere bewähren sich auch für Termine und Erinnerungen. Vermeiden Sie auch unnötige Ausdrucke. Am besten richten Sie Ihre Drucker auf doppelseitigen Druck ein. Sinn macht auch ein zweiter Speicher für gebrauchtes, aber wieder verwendbares Papier, der für Entwürfe, Faxe und Notizen da ist. Wiederverwendbare Papierfächer sollten neben Druckern, Faxgeräten und Kopierern stehen und zu jedem Schreibtisch gehören.

https://www.zm-online.de/archiv/2021/08/praxis/gruen-ist-trumpf/